Marius Gillesen (TEER)

 

Marius Gillessen (TEER), Teilnehmer des UNLEASH Ideenkongresses 2017 in Kopenhagen

UNLEASH UNLEASH

Zuerst einmal grob: Was ist Unleash?

Unleash ist eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat die SDGs (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen voranzubringen, indem sie 1000 junge Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt. Diese sollen Probleme konkretisieren, Lösungen diskutieren und schließlich eine Problemlösung erarbeiten. Themen 2017 waren Bildung, Energie, Nahrung, Wasser, Gesundheit, nachhaltige Produktion und Konsum sowie nachhaltige Stadtentwicklung. Dabei kamen z.B. im Thema ‚Energy‘ insgesamt 22 Vorschläge heraus, die dann in mehreren Schritten bewertet wurden

Und ich war dabei! Am besten fange ich von vorne an. Unleash fand 2017 zum ersten Mal statt und das in Kopenhagen, wo auch Unleash gegründet wurde und den Sitz hat. So kamen wir, meine Kollegin vom TEER und ich, in Kopenhagen am Flughafen an und wurden dort direkt von Unleash in Beschlag genommen. Wir bekamen unsere Unleash-Anhänger, die wir die ganze Woche als Erkennungszeichen bei uns trugen, und wurden mit der Bahn zu unseren Hostels geschickt. Dort im eigenen Zimmer angekommen, erwartete uns das internationale Dorf. Ein Franzose, ein Belgier, ein Burundier, ein Südafrikaner und ein US-Amerikaner waren bereits eingetroffen. Bis zum abendlichen Street-Food-Festival war noch etwas Zeit und so kamen wir alle ins Gespräch.

Ohne Zögern fingen wir an, über die Probleme in der Welt zu reden und die eigenen Rollen im Land zu diskutieren. Am eigens für uns Unleasher angelegten Street-Food-Festival wurde der Austausch noch intensiver. Ich lernte unglaublich viele Menschen kennen mit unglaublich vielen Geschichten. Natürlich alles auf Englisch. Bis tief in die Nacht unterhielten wir uns trotz stärkstem Regen.

Am nächsten Tag startete das richtige Programm in einer alten Lokomotivwerkstatt. Dort gab es Frühstück und einleitende Vorträge von den Organisatoren, Zukunftsexperten, Unternehmern und Arbeitern von NGOs. Gegen Mittag und Nachmittag gab es dann die ersten Aktivitäten – einige Gruppenspiele zum Kennenlernen und ein Warm-up. Beim Warm-up sollte man mit einem Team über unlösbare Probleme von Unternehmen nachdenken. Abgerundet wurde der Tag durch einen leckeren Grillabend mit Musik vom DJ und weiteren Kennenlerngesprächen.

An Tag drei verabschiedeten wir uns schon wieder von Kopenhagen, um zu den Volkshochschulen auf dem Land zu fahren. Auf dem Weg dorthin besuchte jede Themengruppe ein themenbezogenes Unternehmen. In unserem Fall fuhren wir in den Hafen von Kopenhagen. Dort hörten wir uns einen Vortrag an und besuchten das Wohnviertel, das zuvor ein Lebensmittelumschlagplatz von Kopenhagen war. Den Rest des Tages fuhren wir mit dem Bus durch Dänemark zu unseren Volkshochschulen (VHS).

Tag vier war dann der erste „Arbeitstag“. In unserem Themengebiet Energie mussten wir uns für eine bestimmte Untergruppe entscheiden. Zur Auswahl standen Themen wie politische Rahmenbedingungen, Emissionsminderung, nachhaltige Energieproduktion und dezentralisierte Energieerzeugung. Ich entschied mich für Letzteres. Zu Beginn kamen wir in unseren Untergruppen zusammen. Wir teilten unsere Eindrücke und Probleme, die wir in der Welt sahen, und formulierten konkrete Problemstellungen aus. Alle Probleme wurden auf ihre Ursachen zurückgeführt, um sich so ein umfangreiches Bild über die Herausforderungen zu verschaffen. Jeder durfte sich dann für eines der fünf finalen ‚Problemframings‘ entscheiden. Ich entschied mich für das Problem „Waste-2-Energy“, das beschreibt, dass in vielen Ländern organische Abfälle nicht energetisch genutzt werden, sondern ganz im Gegenteil durch unzureichende Abfallentsorgung Krankheiten verursachen. Auch fünf andere Teilnehmer aus Nigeria, Indien, Südafrika, Brasilien und Indonesien entschieden sich für das Thema. Wir bildeten ab jetzt ein Team bis zum Ende des Projektes.

Von Tag fünf bis sieben arbeiteten wir von morgens bis abends an unserer Problemlösung. Der gesamte Prozess wurde durch „Facilitators“ begleitet, die zu Beginn mehr und zum Ende weniger, uns leiteten und den Arbeitsprozess strukturierten. Stets begleitet durch das liebenswerte Programm der VHS, denn immer wieder gab es Pausen und Freizeit um den Kopf freizubekommen und köstliches Essen zu genießen. Morgens wurde zum Start in den Tag immer gesungen und ein Motivationsvortrag gehalten. Abends gab es täglich lehrreiche Vorträge über den Wert von Essen, Glücklichsein oder weitere Themen, die zum Nachdenken anregten.

An Tag acht ging es nach Aarhus. Dort hatten wir die Möglichkeit, unsere Projekte zu finalisieren und Experten Fragen zu stellen. Bis 24 Uhr in der Nacht hatten wir Zeit, unsere Lösung abzuschicken, welche wir voll ausschöpften.

Der Tag der Entscheidung. Alle 22 Teams des Themas Energy trugen vor und wir entschieden, welche 12 Teams vor den Experten vortragen durften. Mein Team machte in dieser Runde den ersten Platz. Das Expertenteam entschied dann in der nächsten Runde, welche zwei Teams in den ‚Dragons‘ Den‘, die Höhle des Löwen, kommt und wer ehrenhafter Dritter wurde. Wir wurden Dritter! Im Hauptquartier von Bestseller, einem der größten Sponsoren, durften dann alle 14 Finalisten vortragen. Die Löwen waren allesamt erfahrene Investoren und verkündeten nach intensiven Beratungen die Ergebnisse und prämierten die Gewinner. Abends fand dann eine riesige Party mit kostenlosem Essen und Trinken statt – ein wahres Weltfest.

Tag zehn rundete die Woche ab. Am Vormittag gab es Zeit, die Woche mit Länder-, Themen- und Teamkollegen zu rekapitulieren. Man besprach die Zukunft der eigenen Idee und wann man sich endlich wiedersehen würde, denn nicht nur hatten wir ein Projekt erarbeitet, sondern auch eine wunderbare Freundschaft. Des Weiteren suchten wir das Gespräch mit Investoren, mit denen man über mögliche Investitionen reden konnte. Abends fand die große Awards Show mit internationalen Gästen statt – z. B. Kronprinzessin Mary von Dänemark, Ashton Kutcher, Salman Khan und vielen weiteren Gästen. Awards wurden natürlich auch noch einmal verliehen für das internationalste Team, das Team mit der besten Kommunikation, das innovativste Team und in 2 weiteren Kategorien.

Bei einem letzten Dinner hieß es dann Abschied nehmen von unglaublich vielen neuen Freunden. Nach so einer langen und intensiven Zeit fiel das unglaublich schwer. Am nächsten Tag ging es dann leider wieder zurück und die wundervollen Tage nahmen ein Ende.

Unleash war eine einmalige Erfahrung für mich. Da Unleash bis 2030 jedes Jahr stattfinden soll, unter anderem in San Francisco, Tokio, China und Dubai, kann jeder diese Erfahrung selbst machen und das kann ich nur jedem raten! Einfach für das nächste Mal bewerben.

Marius Gillessen

PS: Bei Fragen zu meinem Projekt, Unleash oder allem anderen können Sie mich gerne kontaktieren.